Liquidität – der kritischste Erfolgsfaktor

Eine Selbständigkeit, die Gründung des eigenen Unternehmens oder eines Start-Ups ist ein einschneidender Schritt für die Gründer. Die Sicherheit eines kontinuierlichen Einkommens wird gegen Selbstverwirklichung, Flexibilität aber auch gegen schwankende Einnahme eingetauscht.

Immer wieder werden wir gefragt, was die wichtigsten KPI für ein neu gegründetes Unternehmen sind. Unsere Antwort dazu ist immer die gleiche: Am Anfang gibt es nur eine KPI die wirklich wichtig ist: Liquidität!

Denn gerade ganz am Anfang entstehen erstmal nur Kosten denen keine direkten Erträge gegenüber stehen.

Selbständige müssen diesen anfänglichen Ausfall des Einkommens verkraften können und auch die anfänglichen Ausgaben stemmen können. Einer der kritischen Punkte ist zum Beispiel, wenn sich ein Selbständiger in der eigenen GmbH mit Gehalt anstellt. Damit einher geht die Anmeldung zur BVG (Pensionskasse) von der dann die Rechnung für das ganze Jahr kommt. Daher empfehlen wir den neuen Selbständigen erstmal ohne Vertrag und Gehalt zu starten bis die ersten Kunden anfangen zu zahlen. Für viele ist auch ein Start als Einzelunternehmen geeigneter, da hier die Gründungskosten extrem niedrig sind, dafür aber natürlich die private Haftung in Kauf genommen werden muss.

Wenn es darum ein Unternehmen oder ein Start-up zu gründen geht es zusätzlich noch darum auch die Kosten für die Produktentwicklung, Marketing, Infrastruktur, Personal, etc. zur Verfügung zu haben. Dieses kommt in den meisten Fällen von Investoren. Die ersten Finanzierungsrunden werden dabei in den meisten Fällen durch den engeren Kreis der Gründer geleistet. Wenn das Unternehmen dann wächst, müssen externe Kapitalgeber gefunden werden, da die Mittel des engsten Kreises ausgeschöpft sind.

In allen Fällen ist es notwendig einen Finanzplan zu erarbeiten. In diesem sollten erstmal alle Ausgaben in den jeweiligen Perioden festgehalten werden in denen sie gezahlt werden müssen. Es ist empfehlenswert sich dazu auch beraten zu lassen. Die Beratung ist empfehlenswert um sicher zu sein, dass man auch an alle Aspekte gedacht hat und dass eine Dritte Partei die Annahmen hinter dem Plan kritisch hinterfragt. Sobald die Ausgaben auf Papier festgehalten sind und die Magnitude bekannt ist, wird greifbar wieviel Finanzierung das Unternehmen zu Beginn braucht. Die Einkünfte werden in der Regel zu optimistisch und zu früh geplant. Deshalb empfiehlt es sich verschiedene Szenarien (worst, realistic, best case) zu planen. Die Finanzierung sollte dabei auf den Worst-Case abgestimmt werden. Auch die weiteren Finanzierungsrunden sollten zu Beginn bereits geplant werden, zusammen mit der Unternehmensbewertung. Direkt nach der ersten Finanzierungsrunde, muss die Umsetzung der zweiten Runde in Angriff genommen werden. Eine Finanzierungsrunde ist ein grosser Aufwand und erfordert viel Zeit und Management Attention. Finanzierungen dauern in der Regel länger als angenommen und müssen sorgfältig vorbereitet werden (Due Diligence). Eine Finanzierung zu planen, wenn dem Unternehmen das Wasser bereits bis zum Hals steht ist den meisten Fällen nicht erfolgreich und es erfolgt ein Tot auf Raten, wobei das Geschäft immer weiter zusammen gestrichen wird um Ausgaben zu reduzieren und die Gründer und gegebenenfalls ihr Umfeld die letzten Cash-Reserven zusammen kratzen um das Überleben des Unternehmens zu sichern. Dies gelingt in den wenigsten Fällen. In einem solchen Fall ist ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende. Als Gründer ist Scheitern eindeutig erlaubt. Leider besitzt das Scheitern bei uns einen sehr negativen Beigeschmack. Es gibt vielfältigste Beispiele von erfolgreichen Unternehmen und Unternehmern, die mit ihrem ersten Unternehmen in Konkurs gingen. Aber das sollte nicht das Ziel sein. Es sollte vielmehr das Ziel sein, seine Planung so zu machen dass es nicht zu einem erzwungenen Ende aufgrund eines Liquiditätsengpasses kommt.

Noch ein Wort zu den geplanten Einnahmen. Einnahmen werden immer über den Verkauf erzielt. Verkauft wird ein Produkt oder eine Dienstleistung. Bereits in der Produktentwicklung sollten potentielle Kunden einbezogen werden. Diese tragen in der Regel positiv dazu bei, das Produkt oder die Dienstleistung so zu gestalten, dass sie später am Markt auch auf Nachfrage trifft. Damit werden die Absatzchancen erhöht und bereits ein erster potentieller Kundenkreis aufgebaut. Dies hilft bei der ersten Generierung von Einkommen und verbessert damit die Liquiditätssituation.

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